Windows 7 Logo – Einfacher als gedacht
Microsoft wird ja nicht müde, uns Softwarehersteller von der Notwendigkeit eines Windows Logos überzeugen zu wollen. “Certified for”, “Works with”, “Compatible with”, was gibt es da nicht alles. Ich will die Idee hinter diesen Logos hier auch gar nicht schlecht reden, den Qualitätsstandard unserer Gebrauchssoftware zu erhöhen, ist allenfalls ein hehres Motiv.
Mit dem “Certified for Windows Vista” Logo stand ich aber leider von Anfang an auf Kriegsfuss. Kein noch so buntes Logo kann mich dazu bringen, entscheidende Teile meiner Software umzubauen – ohne weiteren Nutzen. Was mir gar nicht gefiel waren im Einzelnen:
- Die Erfordernis, den MSI Installer zu verwenden. Ich setze seit Jahren auf InnoSetup, und habe seitdem ganz genau null Support-Anfragen zu Installationsproblemen. Kein Argument könnte mich also überzeugen, dies zu ändern. Never change a running team.
- Die Pflicht, Windows Error Reporting zu nutzen. Ich habe ein funktionierendes Exception Handling, Fehler werden mit ausführlichen Log-Dateien und Zusatzinformationen direkt an uns gesandt (natürlich mit Zustimmung des Benutzers). Warum sollte ich darauf verzichten, bestimmt nicht, um statt dessen die nutzlosen Speicherabbilder aus Winqual runterladen zu können.
- Das kostenpflichtige Einreichen der Anwendung in ein irgendwo ausgelagertes Testzentrum. Obwohl mir Microsoft beim Vista-Logo mehrfach angeboten hatte die Gebühren für den Test (immerhin einige hundert Dollar) zu übernehmen, hatte mich dies nie recht überzeugt. Es bleibt der nicht unerheblich Aufwand, diese Tests zu betreuen und mit dem Test Center zu kommunizieren. Auch habe ich hier viel negatives über die Test-Zentren gelesen, die Geld damit verdienen, wenn ein Programm den Test beim ersten Versuch nicht besteht und nochmals getestet werden soll.
Aber immerhin: Andere Argumente waren für mich bereits aus dem Weg geräumt:
- Wir signieren seit Jahren unsere Executables elektronisch – eine Selbstverständlichkeit.
- Wir unterstützen den mit Windows Vista eingeführten Restart Manager.
- Wir sind bei Winqual angemeldet und laden unsere Build-Informationen für WER hoch. Letztlich gibt es Fehler, die auch unser eigenes Error Reporting nicht abfängt, und diese landen in WER.
- Wir haben natürlich saubere Installations- und Deinstallationsroutinen, installieren an die korrekten Orte, schreiben schon lange nicht mehr ins Installationsverzeichnis und ein Manifest haben unsere EXEn natürlich auch. Alles Selbstverständlichkeiten, wenn man im Jahr 2009 Standardsoftware entwickelt, aber vielerorts noch erstaunlich unbekannt.
Die Zeichen standen also schon nicht ganz gegen ein Logo.
Bleibt die Frage, welchen Sinn die Logo-Zertifizierung hat, ob sich der Aufwand lohnt. Was natürlich vom Aufwand abhängt.
Ich möchte hier aber nicht lange über Sinn und Unsinn dieses Logos diskutieren. Das muss wohl jeder für sich entscheiden. Ich stelle nur fest, dass in den vergangenen fünf Jahren genau gar kein Kunde nach diesem Logo gefragt hat. Nach MSI wurde hier und da gefragt, ja, von einigen Firmenkunden, aber auch diese Frage kommt immer seltener. Und ob sich meine Website-Besucher von einem bunten Logo beeindrucken lassen? Bunte Logos gibt es viele. Macht für mich der Status als Microsoft Certified Partner Sinn? Ein Vergnügen, das über 1.000 Euro im Jahr kostet und für Softwarehersteller (im Gegensatz zu klassischen Lösungsanbietern) nicht so viele Benefits birgt. Ausgenommen der damit verbundenen Lizenzen – benötigt man die, kann sich der Partner-Status wohl lohnen. Wie gesagt, die Frage nach dem “Ob” muss jeder für sich entscheiden, für mich jedenfalls ist es ein “Muss nicht, aber gerne, wenn sich der Aufwand in Grenzen hält”.
Nun hat Microsoft das Logo-Programm für Windows 7 dankenswerterweise reichlich überarbeitet. Ein MSI Installer ist nicht mehr erforderlich. Ein externer Test ist nicht mehr erforderlich – an dessen Stelle tritt ein Selbsttest.
Selbsttest? Klingt trotzdem nach Arbeit. Wir hatten (ich erwähnte das auch schon) vor einiger Zeit einen solchen Test mitgemacht. Dieser bestand, ‘tschuldigung, aus einer dummen, überflüssigen, eigentümlich zu bedienenden Software, die nach einigen halb-automatischen (eher halb als automatisch) Tests ein XML ausspuckte, das der Anwendung Fehlerfreiheit testierte. Mit der gleichen Anwendung habe ich also auch diesmal gerechnet. Einarbeitung + Ärgern + Ausführen des Tests + nochmal Ärgern ergaben damals schnell einen Tag Arbeit.
Umso erstaunter war ich also bei meinem Versuch mit dem Windows 7 Selbsttest heute morgen. Eine VM mit Win7 64bit hatte ich ohnehin bereitstehen. Das Logo-Toolkit war schnell von Connect runtergeladen. Der Rest ging wie am Schnürchen: Logo Toolkit installieren, schnell einen zweiten Benutzer anlegen, Benutzer wechseln und dort den Multi-User-Server vom Logo Toolkit starten (Beschreibung liegt dem Toolkit bei). Zurück zum vorherigen Benutzer, Toolkit starten und den Wizard Schritt für Schritt durchklicken. Zwischendurch die eigene Anwendung isntallieren, das Toolkit feuert ein paar Tests darauf ab und schon darf wieder deinstalliert werden. Wie gesagt, der Hauptaufwand liegt hier im “Weiter”-klicken des Wizards. Am Ende wirft das Tool wie gehabt ein XML aus, das einem entweder Kompatibilität bestätigt, oder eben nicht. Aufwand bis dahin: Keine Stunde.
Nun habe ich mit PDF Annotator also glücklicherweise den Test auf Anhieb bestanden und bis zum Herunterladen der Logos hat mich das nur knapp eine Stunde Arbeit gekostet. Für diesen relativ geringen Aufwand kann ich nun wenigstens die Logos legal nutzen, auch wenn ich zur Zeit keine weiteren Pläne damit habe.
Also: Hat nicht weh getan, und schadet auch nicht.
