Stoppt die Druckpressen! Grahl interveniert – eCommerce Newcomer ändert Anmeldeformular!
Was hat der Grahl da wieder angestellt? Der Reihe nach.
Ich hatte wirklich nichts Böses im Sinn. Mal einen Account anlegen bei einem weiteren eCommerce Provider. Als Backup. Um mal anzusehen, was so an Funktionalität geboten wird. Mehr nicht.
Also fange ich an, das Anmeldeformular auszufüllen. Und stoße auf einen Klassiker: Ohne irgendeinen Blödsinn in’s Feld “State/Province/Region” einzutippen, lässt sich das Formular nicht abschicken.

Ein Klassiker ist das im Sinne der Internationalisierung/Lokalisierung. Es gibt Ländern, in denen nicht mit dem US Dollar bezahlt wird. Es gibt auch Ländern, in denen eine Adressangabe keine Angabe von Staat, Provinz oder Region benötigt. Deutschland zum Beispiel. Kleiner Tupfer auf der Landkarte, aber nunmal mein Heimatland.
Naja, wer ständig im Web unterwegs ist, kennt solche Eigenheiten und ärgert sich über soetwas auch nicht. Ich hab mich auch nicht darüber geärgert. Hier ging es mir um etwas ganz Anderes.
Ich war gerade im Begriff, eine Geschäftsbeziehung mit einem eCommerce-Provider aufzubauen, einer Firma, die dann als Wiederverkäufer meine Produkte weltweit zum Kauf anbieten soll. Weltweit ist für mich ein wichtiges Kriterium. Allein in diesem Jahr haben Kunden aus 62 Ländern meine Software gekauft. Sicher tragen die USA hier einen großen Anteil bei, aber auch die europäischen Staaten sind gut vertreten. Von meinem eCommerce-Provider erwarte ich also, dass er die Eigenheiten der Weltmärkte kennt. Dass seine Bestellseiten mehrsprachig verfügbar sind. Dass in verschiedenen Währungen bepreist und bezahlt werden kann. Dass lokal bedeutsame Zahlungsweisen angeboten werden. Und mein initialer Eindruck dieses speziellen Providers war eben der: Die kennen nur Nordamerika.
Nun muss ich dem Provider noch zu Gute halten, dass sein Bezahlprozess tatsächlich mehrsprachig ist, dass die Reihenfolge der Eingabefelder dynamisch an das Zielland angepasst wird (ja, wir sind es hier gewöhnt, die Postleitzahl dem Ort voran zu stellen). Auch bei den Währungen bietet er eine Auswahl. Okay, Überweisung auf deutsches Bankkonto ist noch unbekannt, aber immerhin angeblich geplant. Was ich sagen will: Der Anbieter hat sich hier mit seinem ersten Eindruck – erzeugt durch ein nur winzig kleines Detail – schlechter dargestellt als eigentlich hätte sein müssen. Aber der erste Eindruck ist leider häufig der nachhaltigste – und bleibt haften.
Aber zurück zu meiner Story.
Während ich das Formular nun mit dem üblichen “n/a” im Feld State/Province/Region abschicke, tippe ich auch eine kleine Notiz auf Twitter ein:

Man beachte: Ich erwähne in meinem Tweet nicht, um welchen Provider es sich handelt.
Umso überraschter war ich, als mir wenige Minuten später tatsächlich der CEO just dieses Providers antwortet! Erstaunlich, wer einem so alles auf Twitter folgt, und wer sich da gleich angesprochen fühlt… Was jedenfalls folgt, ist ein elendig überflüssiger Email-Wechsel, in dem ich erkläre, wie ein kleine Detail manchmal einen großen Beitrag zu einem bestimmten Bild beitragen kann, das man von einer Firma gewinnt. Siehe oben.
Und nach langem Hin und Her hat mein Klagen nun tatsächlich Gehör gefunden: Das Formular wurde tatsächlich geändert.

Was bleibt, ist für mich die Frage: Haben die Kollegen bei diesem Provider tatsächlich verstanden, worauf ich hinaus wollte? Oder halten sie mich jetzt einfach für “den Deppen aus Germany”, wegen dem sie ihr Formular anpassen mussten? Ich werd’s wohl nie erfahren…
