US-Einreisegebühr – Wo ist das Problem?
Mag sein, dass das hier ein wenig Off-Topic ist. Aber als fleissiger US-Tagungsbesucher und Immer-in-Marketing-Denker möchte ich dieses Thema doch kurz anschneiden.
Als ich letzte Woche aus dem Urlaub zurück kam, setzte ich mich erstmal gemütlich in die Abendsonne, genoss die aus Italien mitgebrachten Leckereien und nahm mir den Stapel der zuhause aufgelaufenen Zeitungen vor.
Und was darf ich da lesen?
“Debatte um US-Tourismusförderung – Eintrittsgeld für Amerika” titelt die SZ.

Photo (c) Derek & Kristi / Flickr
Der US-Senat erwägt für EU-Bürger (solche, die ohne Visum in die USA einreisen dürfen) eine Einreisegebühr von 10 Dollar zu erheben. Das Geld soll der Förderung des, seit Beginn der Wirtschaftskrise darbenden Tourismus dienen. Man freut sich auf 40.000 neue Jobs in der Branche. Findige Senatoren sollen sogar eine weitere Idee gefunden haben, diese Einnahmen noch zu verdoppeln: Einfach 20 Dollar verlangen!
Meine erste Reaktion lag bei begleitendem Kopfschütteln zwischen “Typisch Amis” und “Haben nicht mehr alle Tassen im Schrank“.
Aber halt! Warum eigentlich aufregen? Die Förderung des Tourismus sollen also die Touristen bezahlen. Doch verlangt nicht beinahe jedes Bad Irgendwas im deutschen Sprachraum eine Kurtaxe – die unter’m Strich nichts Anderes ist, als eine Einreisegebühr? War da nicht auch mal was mit einer Tourismussteuer im 17. deutschen Bundesland (Mallorca)? Ist es nicht im Grunde ganz normal, dass das Marketing für ein Produkt aus einem Teil der Einnahmen mit demselben finanziert wird? In meinem Geschäft jedenfalls schon.
Warum dann so ein Aufschrei? Ganz einfach: Wie so oft bei politischen Entscheidungsprozessen hat die PR nicht funktioniert. Die Gebühr im Zusammenhang mit der Zwangsregistrierung bei den US-Behörden einzutreiben – ein Prozess, dem der Europäer ohnehin schon wenig Sympathie entgegen bringt – mag praktisch sein, ist aber unglücklich gewählt. Eine Abgabe für das Tourismusmarketing könnte ebenso für den Gast “unsichtbar” bei den Fluggesellschaften oder den bewirtenden Betrieben eingetrieben werden. Ich schreibe meinen Kunden auch keine separate “Werbekostengebühr” in Rechnung.
Auf den ersten Blick erkenne ich als US-Reisender auch keinen “Benefit” für mich persönlich. Bei der Kurtaxe kann ich wenigstens im rosendekorierten Kurpark spazieren gehen. Anstatt dem Besucher auf die Nase zu binden, dass man sein Geld verwenden möchte, um weiteren Umsatz mit anderen Gästen zu generieren, sollten auch Angebote und Verbesserungen geschaffen werden, die der zahlende Gast direkt wahrnimmt und in Anspruch nehmen kann. Übrigens sind all das Gedanken, die sich ohne Weiteres auf’s eigene Geschäft übertragen lassen. Ganz so Off-Topic bin ich dann doch nicht…
Ach ja, gestern wurde die Touristenabgabe dann übrigens bereits vom US-Senat beschlossen.
Vereinzelt habe ich übrigens von Forderung gelesen, die EU möge mit einer ähnlichen Einreisegebühr für US-Bürger antworten. Das wäre eine völlig falsche Reaktion! Den Beleidigten zu spielen ist leicht. Mein Vorschlag läuft in die entgegengesetzte Richtung: Einführung eines Begrüßungsgelds in Höhe von 10 Euro für US-Besucher! Wäre es nicht ohnehin die bessere Wahl, unser Geld direkt den US-Bürgern in die Hand zu drücken, anstatt an ihre Banken zu überweisen? Und wie schnell wäre die 10-Dollar-Gebühr dann wohl wieder abgeschafft?
Na gut, jetzt bin ich doch Off-Topic gelandet…
