18 Juli 2009 von Oliver

Live from SIC 2009

So, endlich finde ich mal ein paar Minuten, um einen kurzen Zwischenbericht von der diesjährigen Software Industry Conference (SIC) zu erstatten.

Veranstaltungsort ist wie im letzten Jahr das Boston Marriott Quincy. Viel Positives kann ich über die Location – wie schon im Vorjahr – nicht gerade vermelden, das Hotel steht hier in Quincy, einem Vorort zu Boston, auf einem kleinen Hügel oberhalb eines Autobahnkreuzes, und in Laufweite gibt es ausser dem Hotel praktisch nix. Was uns Europäer, die schon den Anspruch haben, wenigstens einmal täglich einen Fuss vor die Tür zu setzen, praktisch zwingt, mit dem Auto anzureisen. Dann ist aber die Mall auf der anderen Seite der Autobahn (500m Luftlinie, 10 Min. mit dem Auto, 1 Std. zu Fuss  – hat aber noch nie jemand ausprobiert) ein ganz netter Ort, um in kleinen Gruppen zu Abend zu Essen, oder zu lunchen. Und downtown Quincy ist es uns sogar gelungen einen Coffeeshop aufzutun. Empfehlenswert ist dagegen die Anreise mit der Boston Harbor Ferry, die den Flughafen (und Boston downtown) direkt mit dem Vorort verbindet, und bei einer knappen dreiviertel Stunde Fahrt fantastischen Ausblick auf die Küste, die Harbor Islands und natürlich die Silhoutte Bostons bietet. Und Boston selbst ist natürlich schon einen Abstecher wert.

Soviel zum touristisch-logistischen Teil meiner Reise.

Die SIC selbst ist ein wenig zum Pflichtprogramm und Branchentreff für kleine und mittelgroße Softwarehersteller geworden. Trotzdem meine ich, diesmal weniger Teilnehmer zu zählen, als in den Vorjahren. Was vielleicht durch eine Mischung aus Rezession und Schweinepest zu begründen ist, vielleicht aber auch, weil das Vortragsprogramm dieser Veranstaltung von Jahr zu Jahr nur wenig Veränderung zeigt.

Aprospos Rezession, diese wird spätestens bei Ankunft im Hotel fühlbar: Im Zimmer brannte noch nicht den ganzen Tag in freudiger Erwartung auf den Gast das gesamte Licht, und (ja!) die Klimaanlage steht auf “Economy”, einer Einstellung, die ich in den US zum ersten Mal wahrnehme und so liegt die Raumtemperatur bei Ankunft bei ganzen 21 und nicht den gewohnten 16°C.

Ich schweife ab.

Also trotz des, wie bereits erwähnt, über die Jahre etwas monotonen Tagungsprogramms reise ich immer wieder gerne zur SIC. Jedes Jahr bietet sich die Möglichkeit, bestehende Kontakte zu Geschäftspartnern und anderen ISVs zu pflegen, und neue Kontakte aufzubauen. Dieses Networking ist der eigentliche Anlass zum Besuch dieser Veranstaltung, und langfristig hat sich aus den entstandenen Kontakten für mich schon die eine oder andere – teils recht lukrative – Kooperation ergeben. Bisher war die SIC noch jedes Jahr die Reise Wert – und so scheint es mir auch dieses Jahr zu sein.

Natürlich muss man nicht jedesmal dabei sein, aber wenigstens einmal sollte man eine der beiden einschlägigen Konferenzen (SIC und ESWC) unbedingt besucht haben. Ich erinnere mich noch gut an mein “erstes Mal”, damals habe ich die vielen, vielen Ratschläge zu SEO, Adwords, Up- und Cross-Selling regelrecht aufgesogen. Möglicherweise nimmt man erstmals war, aus wievielen einzelnen Maßnahmen sich ein umfassendes Marketing zusammensetzt. Wie viel andere machen und ausprobieren. Dass man selbst vielleicht noch lediglich an der Oberfläche kratzt.

Wer also noch keines dieser Events besucht hat, hier sind einige Ratschläge, um das Meiste aus dem Besuch herauszuholen:

  • Im Vorfeld lohnt es sich schon mal, den Schedule durchzugehen, und zu überlegen, welche Sessions mehr, welche weniger interessant sein könnten. Besonders bei mehreren simultanen Tracks ist eine gewisse Vorbereitung unerlässlich. Häufig sind Themen so ungenau beschrieben, dass es etwas detektivischer Arbeit bedarf, herauszufinden, worum es sich in einem Vortrag wohl wirklich dreht. Ein Blick auf die Domain oder kurz den Namen des Vortragenden gegoogelt, kann schon oft mehr Aufschluss geben. Und so erkennt man mit etwas Übung relativ schnell, welche Vorträge möglicherweise nur reine Sales Pitches sind.
  • Von Services und Produkten, die uns Herstellern bei solchen Veranstaltungen angeboten werden, kann ich mir in der Regel auch im Web ein Bild machen. Am Interessantesten waren noch immer die Sessions der Kollegen, die über eigene Erfahrungen berichten – auch wenn diese Vorträge eher rar sind.
  • Nie einplanen, alle Sessions am Stück “abzusitzen”. Zwischendurch will auch mal das eine oder andere Gespräch mit Sponsoren oder anderen Teilnehmern geführt werden, und das kann oft wertvoller als so manche Session sein.
  • Zeigt sich während eine Session, das diese völlig uninteressant oder ein reiner Sales Pitch ist, oder das der Redner vielleicht besser einer anderen Profession hätte nachgehen sollen, keine Skrupel haben, die Session verlassen, und die Zeit sinnvoller verbringen.
  • In den Kaffeepausen nicht zum Email-Checken aufs Zimmer verschwinden. Wir sind zum Networken hier, nicht nur zum rumsitzen und zuhören. Und zum Networken wurde nunmal die Kaffeepause erfunden. Gerade auch morgens beim Frühstück ergibt sich an Tischen eigentlich immer ein interessanter Small Talk, bei dem man schnell zur allgegenwärtigen “What’s your business?”-Frage kommt.
  • Auf die Frage nach der eigenen Tätigkeit sollte man natürlich etwas vorbereitet sein, und mit wenigen Worten das eigene Geschäftsmodell oder Produkt beschreiben können. Der “Elevator Pitch” muss sitzen.
  • Eine Frage der Höflichkeit ist es natürlich, nicht nur die eigene Geschichte zu erzählen, sondern auch dem Gesprächspartner Gelegenheit geben, über sein Produkt zu berichten. Vielleicht ergibt sich auch auch eine Kooperationsmöglichkeit?
  • Übrigens buche ich immer das Seminarhotel, auch wenn das gerne mal etwas mehr kostet als das Motel fünf Meilen weiter. Erfahrungsgemäß beginnen die Konferenztage früh und enden spät – und dabei sein, ist alles.
  • Ich bin gut damit gefahren, Produkt-Flyer und Demo-CDs zu Konferenzen mitzubringen und diese auf den dafür vorgesehenen Tischen auszulegen. Tatsächlich habe ich diesmal sogar zu wenig CDs mitgebracht, da diese schon am ersten Tag vergriffen waren. Aber bitte diesen Tipp nicht falsch verstehen: Insbesondere bei meinem Produkt geht es mir hier nicht im Geringsten darum, dieses an die anderen Teilnehmer zu verkaufen. Im Gegenteil, gerne kann jeder Konferenzteilnehmer von mir eine Lizenz erhalten. Der Vorteil beim Auslegen von Flyern  liegt viel mehr darin, einen gewissen Bekanntheitsgrad bei den Tagungsteilnehmern aufzubauen. Dass die Rechnung aufgeht, merke ich daran, dass viele Personen, mit denen ich ins Gespräch komme, schon wissen, wer ich bin, oder was ich mache, noch bevor ich mich vorgestellt habe. Und in der Vergangenheit haben sich auch einige weitere Geschäftskontakte ergeben, in der Form, dass Teilnehmer sich nach der Tagung bei mir gemeldet haben, die Interesse an z.B. Kooperationen hatten. Denn leider kann man selten mit wirklich jedem sprechen. Das lässt sich dann aber beim nächsten Mal prima nachholen!
  • Last, but not least, mein abschliessender SIC-Tip: Schlafen kann man genug nach der Konferenz… :-)

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